Symbolbild VLC Media Player © Bildagentur PantherMedia Olivier Le Moal

Der VLC Media Player

Zu Zeiten, als der VLC Media Player erschien (2001), konnte man sich nichts mehr wünschen als einen Videoplayer, der mit dem Formatdschungel aufräumen würde. Das war die Lücke, die diese kostenlose Software von Anbeginn ausfüllte. Ihre Stärke war von Anfang an die Fülle an Codecs und Audio- und Videoformaten, die sie bewältigen konnte und immer weiter ausbaute. Die Vielseitigkeit wurde auch hinsichtlich der Verfügbarkeit des Players auf verschiedenen Plattformen und Gerätetypen bis hin zu Smartphone-Anwendungen ausgebaut. Gegenwärtig haben wir die Version 2.2.4 vorliegen, die in 32bit und 64bit Versionen auf Windows, Apple, Linux Betriebssystemen läuft und als App in Android und iOS installiert werden kann. Browser-Plugins des Players sind ebenfalls in Verbreitung. Verschlüsselte DVDs werden problemlos ausgelesen, was unter Linux und Mac bislang kein anderer Player bereitstellte. Wo andere, kostspielige Programme ganze Suiten einsetzen und diese umständlich zu erlernen und zu bedienen sind, kommt der VLC Media Player immer noch mit einer etwa 30 MB Installationsdatei aus.

Symbolbild VLC Media Player © Bildagentur PantherMedia Olivier Le Moal

Symbolbild VLC Media Player © Bildagentur PantherMedia Olivier Le Moal

Schlanke Universalität muss nicht blenden

Die geschilderten Vorzüge haben die meisten Videokonsumenten am PC Bildschirm dazu bewegt, zum VLC Media Player zu greifen. Mitbewerber krankten oft an Unverträglichkeiten zum einen oder anderen Codec und kaum jemand wollte für jedes Format ein eigenes Wiedergabeprogramm installiert haben. Interessant ist auch, dass der VLC Media Player unvollständige Dateien abspielen kann, wo also ein Datenverlust stattgefunden hat oder der Download nicht vollumfänglich gelang. Auf ein effektheischendes Äußeres wurde vollständig verzichtet, denn das Programm muss nicht ‚blenden‘ oder ‚verkaufen‘; es ist wohltuend reduziert auf reine Funktionalität. Diese schlanke Erscheinung macht es leicht, die Benutzung des Players zu erlernen und ihn ohne Umschweife zu benutzen.

Und wem das Erscheinungsbild dann doch zu unspektakulär daherkommt, der kann immer noch zu Gestaltungsmitteln wie den Skins und Optionen zur Umgestaltung greifen. Anwender ohne Fremdsprachenkenntnisse greifen zur eingedeutschten Version. Das ist bei freier Software nicht selbstverständlich. Bei Fragen und zum Erfahrungsaustausch kann auf dem Nutzerforum www.vlc-forum.de in deutsch oder auf www.forum.videolan.org in englisch nachgelesen und diskutiert werden, weiter aufgeteilt nach Betriebssystemen und Plattformen. Wieso VideoLAN Project einen Verkehrsleitkegel als Symbol für ihren Player gewählt haben? An einer Anfälligkeit für Bauarbeiten kann es nicht liegen. Das einprägsame Symbol geht auf eine Sammlung realer Pylone durch die Studentenorganisation, die das Projekt 1996 ins Leben rief, zurück.

Einfaches Starten des VLC Media Players

Im Folgenden wird die Funktionalität auf einer Windows-Installation vorgestellt. Installationen gerade auf Smartphones können sich erwartungsgemäß erheblich davon unterscheiden, schon weil der Nutzer auf solchen Plattformen weniger an Bearbeitungsmöglichkeiten als nur der ‚reinen‘ Wiedergabe interessiert sein dürfte. Nach Einrichten des VLC Media Players auf einem Festplattenplatz nach Wahl kann das Programm ganz klassisch über Desktop-Icon, Menü-Eintrag oder auch nach der Verknüpfung eines Mediendateientyps durch Doppelklick auf eine einzelne Datei dieses Typs gestartet werden.

Wie in Windows üblich finden sich am oberen Rand des geöffneten VLC Fensters die Menüs. Auf der unteren Leiste finden sich links Steuerungsflächen zur Wiedergabe der Mediendatei (meist ein Video, wie wir sie fortan auch nennen wollen) und in der Ecke gegenüber die Anzeige für den Soundlevel, direkt manipulierbar wie das Lautsprechersymbol zum Stummschalten. Wurde eine Datei geladen und die Wiedergabe begonnen, lässt sich an einer über den ganzen Bildschirm laufenden Fortschrittsanzeige ablesen, wie weit die Abspielung bereits gelaufen ist – hier kann der Nutzer auch durch einen frei positionierten Klick auf die Leiste zu einer ganz bestimmten Stelle des Videos gelangen.

Während des Abspielens wird er vermutlich den Vollbildmodus aktivieren wollen, der sich bei den Funktionen unten links findet. Nach einer kurzen Zeit und wenn der Mauszeiger nicht über dem eingeblendeten Bedienfeld unten schwebt, wird dann jegliche Einblendung verschwinden und nur noch der Film zu sehen sein.

Die verborgenen Finessen der Menüleiste

Das Menü können Sie einfach nur benutzen um ein Video auszuwählen, auf Festplatte, im Netzwerk oder die DVD/Blu-Ray im Schacht ansteuern. In diesem Fall werden Sie nicht durch umständliche Funktionen aufgehalten, die Sie womöglich nie brauchen werden, sich aber immer daran vorbei navigieren müssten. Aber wenn Sie sich eingehender mit Ihrer Videodatei beschäftigen wollen, werden Sie über die Werkzeuge des VLC Media Players dazu erstaunt sein.

Der erste Menüpunkt wird wohl am häufigsten aufgerufen werden, denn hierüber ruft der Anwender die Datei auf, ob nun abgespeichert auf seiner HDD oder extern herbeibemüht in Gestalt einer Netzwerkadresse oder URL. Wird das über den Reiter ‚Aufnahmegerät‘ getan, befindet sich der Anwender auf dem Weg zu einer Aufnahme. Neben der Wiedergabe von Videos auf dem Bildschirm können Dateien auch zum Streamen im Netzwerk oder im Internet bestimmt werden.

Besonders in den folgenden Menüpunkten sieht der Anwender, dass sie ausgegraut bleiben, ehe nicht eine Datei für den Player ausgesucht wurde. Sollte beispielsweise eine DVD Kapitel zum Anwählen von Filmabschnitten enthalten, so werden diese im Untermenü von ‚Wiedergabe/Kapitel/‘ angezeigt – ansonsten bleibt dieser Punkt inaktiv und ausgegraut. Die Filmgeschwindigkeit kann in feinen Schritten reguliert werden. Das Timing kann auch in der Tonspur und einer addierten oder bereits mit dem Film vorhandenen Untertiteldatei modifiziert werden.

Besonders mit Untertiteln, die extern hinzugezogen wurden, und zu einer anderen Bitrate aufgesetzt wurden, kann es bekanntlich Synchronisationsschwierigkeiten geben: die Untertitel kommen zu früh oder zu spät und müssen so gesetzt werden, dass sie passend zum gesprochenen Wort erscheinen. Untertitel haben zum Hinzufügen ein eigenes Menü, die geschilderte Synchronisation findet aber unter ‚Werkzeuge/Spur-Sync‘ statt.

Das Zaubern mit Bild und Ton

Sämtliche Audio- und Videospuren sollten unter den Menüs von ‚Audio‘ und ‚Video‘ aufgeführt sein und ausgewählt werden können. Gibt der Nutzer nur ein Audiofile wieder, wünscht er sich womöglich Visualisierungen. Als VU-Meter wie an einer alten Stereoanlage oder per Spektrometer machen diese sogar Sinn. Wesentlich interessanter sind da die Einstellmöglichkeiten zum Bild, nämlich die Zoomversionen, die Wahl eines anderen Seitenverhältnisses und Beschneidungen. Das Deinterlacing (= Zeilenentflechtung) wird angewandt, wenn Fernsehbilder, die mit der Zeilensprungmethode (wechselnde Halbbilder, eine Maßnahme gegen ‚Flimmern‘) aufgenommen wurden, auf PC- Monitoren wiedergegeben werden sollen.

Nur auf alten 50 Hz-Röhrenfernsehern ist das überflüssig. Ist der Nutzer unschlüssig, kann er das Deinterlacing einfach auf Auto belassen. Das Seitenverhältnis ist gerade bei wechselndem Alter von Filmen, die einmal im alten 4:3 Format, mal in Breitwandkinoformat, mal in Breitbild 16:9 oder 16:10 heutiger Breitbildmonitore anfallen, von Interesse. Wählen Sie freilich das falsche Format, kommt es zu unschönen Verzerrungen oder im Gegenteil zu Stauchungen. Unter dem Menü ‚Werkzeuge‘ geht es im VLC Media Player um Effekte und Filter, die Synchronisation von Bild und Ton (oder des Untertitel-Abspulens dazu). Die Effekte sind unterteilt in solche fürs Bild und solche für den Ton. Die Tonspur kann durch einen Equalizer geschickt werden, um bestimmte Frequenzen zu stärken oder zu unterdrücken. Die Bildmanipulation dreht sich um Kriterien, wie man sie von jedem Bildbearbeitungsprogramm her kennt. Spezieller ist da schon die Möglichkeit, die Filmkörnung zu beeinflussen. Freunde von allerlei Spielereien am Bild werden hier fündig, Logos im Bild können entfernt oder hinzugefügt (!) werden. Die Informationen zur verwendeten Mediendatei und zum Codec sind hier abrufbar.

Eine Menge Holz: die unterstützten Formate

Das vielleicht wichtigste Feature des Players, wenn auch im Hintergrund arbeitend und den wenigsten Nutzern bewusst, ist seine Kompatibilität zu allen möglichen Audio- und Videoformaten. Je nach Betriebssystem kann es allerdings zu Unterschieden im modularen Aufbau der dortigen Installation des VLC Media Players kommen, was dann aber mit der Plattform zu tun hat und nicht mit dem Player selbst.

Die Input-Formate können eingeteilt werden in Containerformate, Hilfsmittel zum Capturing (wie DirectShow auf Windows, Video4Linux auf Linux, die digitalen Sendeformate DVB-S/T/usw.), Netzwerkprotokolle (wie FTP und HTTP), Streamingdienste im Netzwerk, Untertiteldienste zu den Videos, Audioformate (AAC, FLAC, MP3 sind die gebräuchlichsten) und natürlich die Videoformate selbst: MPEG, H.263, WMV – um nur einige zu nennen. An Output-Formaten deckt VLC die Containerformate, Audioformate, Streaming Protokolle und natürlich abermals die eigentlichen Videoformate ab. Zur Ausgabe kommt die wertvolle Besonderheit hinzu, dass VLC nicht nur ausgeben, sondern auch den Code von einem Format ins andere ‚übersetzen‘ kann. Auch die Bit-Rate kann geändert werden. Diese Funktion versteckt sich hinter der ‚Wizard‘-Funktion (in der engl. Version) oder dem Menüpunkt ‚Konvertieren/Speichern‘ (in der deutschen Installation) im Medien-Pulldown-Menü, wonach sich ein Dialog zur Wahl der Datei und dem Wunschformat öffnet. Selbst Abschnitte aus einem Medienformat können damit herausgegriffen und transcodiert werden – eine Filmszene etwa.

Schlusswort und Ausblick

Bei einer Open Source Software wie dem VLC Media Player müssen sich Nutzer weniger Sorgen machen um künftige Aktualisierungen und das Schritthalten mit der technischen Evolution in Medienformaten. Hier pflegt immer eine Gemeinde von motivierten Programmierern damit beschäftigt zu sein mit dem Nachschicken von Updates. Dies steht im Gegensatz zu kommerzieller Software, die irgendwann nicht mehr im Kundendienst gepflegt wird, weil inzwischen ein anderes Produkt herausgekommen ist oder das Softwarehaus schlicht und einfach pleitegegangen ist. Doch was könnte noch groß hinzugefügt werden? Der VLC Media Player besitzt bereits mehr Effekte als der durchschnittliche Benutzer je einsetzen wird. Für die Zukunft darf sich der Anwender freuen auf die Implementierung kommender Codecs und Formate, so noch welche hinzukommen werden, die wir heute noch nicht kennen mögen. Der VLC Media Player kann getrost als Bestandteil einer Minimalausstattung auf jedem PC (und anderer Plattformen) genannt werden. Das Programm ist auf so gut wie jeder Online-Präsenz von Computerzeitschriften und Softwaresammlungen zum Download in der neuesten Version erhältlich (und bei VideoLAN Project in älteren Versionen).

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